© Polnisches Institut Wien
Geschichte
„Vertriebene 1939“. Ausstellung
12.09.2017 Polnisches Institut Wien

Am Dienstag, den 12. September 2017 wurde im Polnischen Institut die Ausstellung „Vertriebene 1939“ eröffnet, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Nationales Gedenken, dem Großpolnischen Unabhängigkeitsmuseum und dem Polnischen Städteverband ausgearbeitet wurde und einem schwierigen Kapitel in der polnischen Geschichte gewidmet ist, nämlich den Deportationen polnischer Zivilbevölkerung, die während des Zweiten Weltkriegs aus den an das Dritte Reich angegliederten Teilen Polens vertrieben wurde.

Die Ausstellung dokumentiert die traumatischen Erlebnisse und Erfahrungen hunderttausender Polen, die während des Zweiten Weltkriegs aus den dem Dritten Reich einverleibten Bereichen Polens deportiert wurden. Zirka 400 Fotografien, Plakaten und Unterlagen erzählen die Geschichte der Vertreibung, präsentieren ihren historischen Hintergrund und stellen die Schicksale der Vertriebenen und weiterer Verfolgungen von Polen und Juden vor. Das Ziel des Besatzers war die völlige Germanisierung der Territorien – anstelle der polnischen Bürger wurden deutsche angesiedelt. Zu den betroffenen Gebieten gehörten u. a. die Provinz Posen, ein Teil des Lodzer Gebiets, Pommern, das nördliche Masowien und Schlesien. Die Ausstellung soll die Bedeutung des Hitler-Stalin-Pakts in der nationalsozialistischen Politik in Bezug auf  Polen und Juden unterstreichen sowie die Umsiedlungen der Bevölkerung deutscher Herkunft wie z.B. der Deutsch-Balten zurück in die Grenzen des Reichs im Rahmen der Aktion „Heim ins Reich” veranschaulichen.

„Es waren die ersten Zwangsaussiedlungen des Zweiten Weltkrieges. Sie waren das grausame ‚Versuchsgelände’ von Adolf Eichmann, das ‚Versuchsgelände’ für die nationalsozialistische Bevölkerungspolitik. Nur der Respekt vor den Traditionen und der Geschichte kann uns Hoffnung geben, dass wir die schrecklichen Fehler des Zweiten Weltkrieges in Zukunft nicht mehr begehen werden“ – sagte bei der Eröffnung der Ausstellung der Direktor des Polnischen Instituts Wien, Rafał Sobczak.

Agnieszka Kołodziejska, Vertreterin des Instituts für Nationales Gedenken, Außenstelle Poznań, sprach einführende Worte zu der Ausstellung und erwähnte dabei eine in diesem Bereich sehr wichtige Publikation von Maria Wardzyńska, die heuer vom Institut für Nationales Gedenken herausgegeben wurde.

„Vor über 10 Jahren wurde ich durch den Magistrat der Stadt Poznań gebeten, Interviews mit den Zeitzeugen, die diese Deportationen erlebt hatten, filmisch aufzunehmen. Es hat sich herausgestellt, dass unglaublich viele der Betroffenen mit mir sprechen wollten, um diese „Last der Geschichte“, diese kollektive Erfahrung der Zwangsaussiedlungen „loszuwerden“, denn sie hatten bis zu jenem Zeitpunkt kaum mit jemanden wirklich darüber gesprochen“ – sagte Dr. Jacek Kubiak, Kurator der Ausstellung, der das Publikum durch die Ausstellung führte und die wichtigsten Tatsachen sowie Fotografien, die in den Ausstellungstafeln zu sehen waren, besprach.

An dem Eröffnungsabend nahmen Vertreter der Wiener Polonia sowie österreichische Gäste teil, darunter Vertreter wissenschaftlicher Institutionen; Prof. Dr. Theodor Kanitzer (Präsident der Österreichisch-Polnischen Gesellschaft, Präsident der Internationalen Chopin-Gesellschaft und Präsident der Internationalen Föderation der Chopin-Gesellschaften) ebenso wie Vertreter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands, darunter Mag. Dr. Gerhard Baumgartner (wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs) und Dr. Winfried R. Garscha.