Geschichte
150. Geburtstag des Marschalls Józef Piłsudski
05.12.2017

Józef Piłsudski, der Begründer der Unabhängigkeit Polens im Jahre 1918 und einer der hervorragendsten Staatsmänner in der polnischen Geschichte, kam am 5. Dezember 1867 in Zułów (Gouvernement Wilna) zur Welt. Bis heute sind seine Verdienste und seine politischen Konzepte Inspiration für Politiker sowie Anregung für Diskussionen unter Publizisten und Historikern.

Die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens im Jahre 1918 war möglich dank Bemühungen vieler Generationen und der Arbeit verschiedener politischer Kreise. Józef Piłsudski gilt als Vater der Zweiten Polnischen Republik sowie als Gründer der Polnischen Legionen und Staatschef des wiedererstandenen Polens. Am 5. Dezember jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.

Piłsudski war Kind einer aus dem polnischen Landadel stammenden Familie, in der die Unabhängigkeitstraditionen gepflegt wurden. Am politischen Leben beteiligte er sich bereits zur Zeit seines Studiums in Charkow, wobei er wegen seiner Teilnahme an Studentenprotesten 1885 der Universität verwiesen wurde. Zwei Jahre später wurde Piłsudski unter dem Verdacht an der Verschwörung zum Sturz des Zaren Alexander des II. beteiligt gewesen zu sein, festgenommen, zu fünf Jahren Verbannung verurteilt und nach Sibirien deportiert.

Kurz nach seiner Rückkehr aus der Verbannung trat Piłsudski in die Polnische Sozialistische Partei (Polska Partia Socjalistyczna) ein. Als führendes Mitglied der Partei innerhalb des Russischen Reichs wurde er von den russischen Behörden verhaftet und in der berüchtigten Zitadelle in Warschau inhaftiert.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gründete Piłsudski die Polnischen Legionen und wurde zu deren Befehlshaber. Zusammen mit seinen Truppen betrat er das russische Teilungsgebiet. Als Österreich-Ungarn 1917 die Forderung gegenüber den Soldaten der Polnischen Legionen erhob, den Eid auf die drei Teilungsmächte Polens zu schwören, verweigerte Piłsudski zusammen mit seinen Legionären den Eid. Daraufhin wurde er festgenommen und in der Festung in Magdeburg bis November 1918 inhaftiert.

Nach der militärischen Niederlage Deutschlands und seines Bündnispartners Österreich-Ungarn, wurde Piłsudski befreit und kam nach Warschau, wo er von der Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Der Regentschaftsrat, damals die höchste Staatsmacht auf den Gebieten des Königreichs Polen, das von den sog. Mittelmächten besetzt wurde, übertrug ihm den Oberbefehl über die polnischen Truppen sowie die Führung des polnischen Staates. Zum temporären Staatschef wurde er offiziell am 22. November 1918 ernannt. Diese Funktion hatte er bis Dezember 1922 inne, als der erste Präsident der Zweiten Polnischen Republik, Gabriel Narutowicz, gewählt wurde.

In den Jahren 1919-1921 war Piłsudski an der Verteidigung der wiedererlangten Unabhängigkeit Polens beteiligt. Als Oberbefehlshaber war er die treibende Kraft bei den Siegen von polnischen Truppen in den Kämpfen um die Grenzen des wiedererstandenen Polens, darunter im Polnisch-Sowjetischer Krieg. Die Schlacht von Warschau 1920 war eine der größten und bahnbrechendsten Schlachten in der Geschichte – der polnische Sieg hielt den Aufmarsch der bolschewistischen Revolution in den Westen Europas auf.

1923 zog sich Piłsudski aus dem aktiven politischen Leben zurück. Da er aber mit der Entwicklung der politischen Situation in Polen nicht einverstanden war, schritt er mit den ihm ergebenen Truppen im Mai 1926 in Warschau ein und trug nach dreitägigen Kämpfen zum Regierungswechsel bei. In den darauffolgenden Jahren hatte er u.a. die Funktion des Ministers für Militärische Angelegenheiten sowie des Premierministers inne. In der Außenpolitik bemühte sich Piłsudski um gute Beziehungen zu Westeuropa.

Der Tod von Józef Piłsudski am 12. Mai 1935 schockierte die ganze Nation. Sein Trauerzug wurde zu einer großen nationalen Manifestation, die den Vater des unabhängigen Polens würdigte. Sein Leichnam wurde in der Krypta der Wawel-Kathedrale in Krakau beigesetzt, die als Grablege für polnische Herrscher und Nationalhelden dient. Sein Herz wurde auf dem Rasos-Friedhof in Wilna im Grab seiner Mutter beigesetzt, wie Piłsudski testamentarisch verfügt hatte.

Büro des Pressesprechers
Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten der Republik Polen